„Kaffee wird immer getrunken“ – Firmengründer Heribert Schneid über den Beginn und die Entwicklung der Kaffeerösterei Schneid

Die Kaffeeleidenschaft der Mutter gab den Ausschlag für die Übernahme der Rösterei


 

1955 war das Geburtsjahr der Kaffeerösterei Schneid. Sie haben gemeinsam mit Ihren Eltern von einem Großhändler die Rösterei übernommen. Was war damals die Motivation für Ihre Familie ausgerechnet in dieses für München etwas untypische Handwerk einzusteigen?


 

Wir hatten seinerzeit ein Geschäft für Obst und Gemüse in der Orlandostraße. Der Vermieter des Ladenlokals zwang mich durch überzogene Mietforderungen, mich nach einer anderen Verdienstmöglichkeit umzusehen. Eigentlich war es purer Zufall, dass ausgerechnet zu dieser Zeit ein kleiner Münchner Kaffeeröster aus             Altersgründen seine Rösterei aufgeben wollte. Meine Mutter kannte den Inhaber der Rösterei persönlich, erst dadurch eröffnete sich uns die Möglichkeit, die Rösterei zu übernehmen. Meine Mutter war leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, für sie lag es schon allein daher nahe, diese Gelegenheit zu ergreifen. Und wir waren uns schnell einig, dass Kaffee wohl immer getrunken wird, also im Grunde ein krisensicheres Geschäft ist, in das wir dann unbedingt einsteigen wollten.

 

 

Sie haben damit den berühmten Sprung ins kalte Wasser gewagt? Was kennzeichnet im Rückblick für Sie die ersten Jahre in diesem Geschäft?

 

Kaffeekunden waren zumindest damals sehr konservativ. Dass bedeutete, solange sie irgendwo anders gut bedient wurden, waren sie nur schwer zu einem Wechsel zu bewegen. Somit gestaltete sich die notwendige Erweiterung des kleinen Kundenstamms, den ich übernommen hatte, als ausgesprochen schwierig. Es wurde mir schnell klar, dass die Kenntnisse, die ich mir bei meinem Vorgänger aneignen konnte, bei weitem nicht ausreichten. Nur durch Qualitätsverbesserung und Preisanreize war es möglich, neue Kunden zu gewinnen. So verbrachte ich meine ersten Jahre in diesem Geschäft damit, meine Fachkenntnisse ständig auszubauen und die Qualität unseres Produktes zu verbessern. Mein Vater hat in jener Zeit den Kunden ihren Kaffee noch per Trambahn mit der Ware im Rucksack ins Haus geliefert.

 

Und wann haben sich Ihre Eltern schließlich  aus dem Geschäft zurückgezogen?

 

Nach dem Tod meines Vaters im Jahre 1966 zog sich auch die Mutter mit den Jahren langsam aus dem Betrieb zurück. Lange Zeit aber war sie noch verantwortlich für die Familienküche, das heißt, sie bereitete das Mittagessen für die ganze Familie und leistete so immer noch einen großen, anerkennenswerten Beitrag zum Geschäft. Das hat unseren Betrieb eben von Beginn an gekennzeichnet, alle haben nach ihren Kräften mitgearbeitet und so war die ganze Familie stets an der Entwicklung beteiligt.

 

Die gesamte Branche geriet in den 70er Jahren in eine heftige Krise, warum?

 

Starke Fröste in Brasilien, dem größten Kaffeeerzeugerland, vernichteten in den 70er

Jahren eine großen Teil der Kaffeeernte. Das führte zu einer Verknappung am Weltmarkt und somit zu Preissteigerungen von teilweise sogar über 300 Prozent. Damit konnte Röstkaffee einfach nicht mehr kostendeckend vertrieben werden. Dazu kam der Kampf um Marktanteile unter den Branchenriesen, der natürlich auch und vor allem über den Preis ging. Da konnten viele kleinere Betriebe nicht mithalten und so kam es zu dem so genannten Kaffeeröstersterben.

 

Wie gelang es Ihnen und Ihrer Familie diese allgemeine Krise für die Kaffeeröstereien zu überstehen?


 

Nur durch das uneingeschränkte und bedingungslose Engagement der gesamten Familie war es möglich, den Betrieb am Leben zu erhalten. Und dieses unbedingte Durchhaltevermögen der ganzen Familie hat unseren Betrieb nicht nur damals gerettet.

 

 

Als neue gesetzliche Auflagen Mitte der 80er Jahre den Fortbestand der Kaffeerösterei wiederum in Gefahr brachten und allergrößte Anstrengungen nötig wurden, um den Betrieb zu erhalten, wie haben Sie diese Zeit erlebt?

 

Nach der Krise in den 70ern kamen dann Mitte der 80er Jahre noch die Auflagen  des Umweltschutzes zur Luftreinhaltung dazu. In unserer Rösterei in der Lerchenau konnten wir diese Auflagen aus Platzmangel nicht erfüllen. Da war schon eine ganz konkrete Entscheidung gefragt,  aufhören oder erweitern. Doch selbst nach dem klaren Ja zu einer Erweiterung in neuen Betriebsräumen – was Investitionen von über 80 000 DM plus 100 000 DM den Katalysator für mich bedeutete – setzte sich der Ärger mit den Behörden noch Monate lang fort. Ich war nervlich am Ende und wollte eigentlich alles hinschmeißen. Wieder war es der Zusammenhalt der Familie und die tat- und wortkräftige Unterstützung meiner Frau, die mich dazu bewegten, den Kampf um das Geschäft doch noch weiterzuführen. Mit Erfolg, denn nach über sechs Monaten erhielt ich endlich die Betriebserlaubnis für die Rösterei in den Räumen in Feldmoching, in denen noch heute Kaffee geröstet wird.

 

 

Welche Probleme ergeben sich für einen kleinen Betrieb in einem Geschäft, das von einer Handvoll Branchenriesen beherrscht wird und wie sind diese zu lösen?

 

Als Kleiner unter den ganz Großen  hat man gute Chancen, wenn man Marktlücken erkennt und nutzt, Serviceleistungen erbringt und Qualitätsstandards einhält, die den großen Betrieben nicht in diesem Umfang möglich sind. Eine erhebliche Portion Eigeninitiative gehört selbstverständlich dazu, eine gute Nase braucht man auch, um Trends und Entwicklungen möglichst früh zu erkennen und sich darauf einzustellen.

 

 

 

 

 

Sie haben mittlerweile das Geschäft Ihrer Tochter und Ihrem Schwiegersohn überlassen, haben Sie sich ganz zurückgezogen oder gibt es noch Bereiche, für die Sie verantwortlich sind?

 

Nach der Übergabe des Geschäftes an meine Tochter und meinen Schwiegersohn betreue ich nur noch den Maschinenpark und stehe gegebenenfalls noch beratend und als Urlaubsvertretung zur Verfügung.

 

Was wünschen Sie Ihrem Familienunternehmen für die nächsten Jahre?

 

Natürlich wünsche ich geschäftlichen Erfolg, und dass dem Kunden durch Schneid-Kaffee die Kaffeekultur wenigstens wieder ein wenig näher gebracht wird. Bei mir stand ja von Beginn an die Qualität des Produkts im Vordergrund, deswegen würde ich mir für die Firma wünschen, dass das Qualitätsbewusstsein der Kaffeetrinker wieder geweckt wird. Ganz sicher würde sich sowohl erhöhtes Qualitätsbewusstsein wie die Pflege der Kaffeekultur positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirken.

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